Barangay Governance

Lokalpolitik

Leah Hilario-Sikorski

Philippinen – Im Zentrum der Barangay-Gemeindepolitik steht nicht nur ein Prinzip, sondern der Schlüssel zum langfristigen Erfolg: Transparenz.

Im Rahmen des Interviews, das einen Fokus auf die Perspektive der Barangay-Schatzmeisterin in Bezug auf die politischen Absichten der gewählten Beamt*innen legt, wurde Zenaida Azaña aus Poblacion II, Alfonso Cavite, nach ihrer Vorstellung befragt. Mit einer beeindruckenden Amtszeit von 23 Jahren als Barangay-Schatzmeisterin teilte sie Einblicke in die Kollaborations- und Entscheidungsfindungsprozesse der Barangay-Beamt*innen.

Die Barangay-Beamt*innen sind in einen kollaborativen Entscheidungsprozess eingebunden, wobei die Barangay-Versammlungen im März oder Oktober als Plattform dienen, um Projekte und Ressourcenallokation in Zusammenarbeit mit den Bürger*innen zu besprechen. Frau Azaña betonte die Bedeutung politischer Absichten, die positiv auf die Entscheidungsfindung wirken können, insbesondere bei Projekten wie dem Bau von Kanalverkleidungen. In finanziellen Angelegenheiten stellte sie klar, dass Missverständnisse über die Rolle des Barangay-Schatzmeisters während den Versammlungen aufgeklärt werden, um Klarheit zu gewährleisten. „Einige Bürger*innen glauben fälschlicherweise, dass das Barangay-Budget im Ermessen des Barangay-Schatzmeisters liegt“.

Politische Ambitionen

Die langfristige Planung erstreckt sich über drei Jahre, und Projekte müssen unabhängig von Amtswechseln abgeschlossen werden. Obwohl politische Ambitionen in ihrem kleinen Barangay weniger präsent sind, betonte Frau Azaña die Wichtigkeit von Einsatz, Vertrauen und Authentizität, um positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft zu erzielen. Die Bürger*innenbeteiligung erfolgt durch Kommunikation über Telefone und Versammlungen, wobei die Wahrnehmung der Bewohner*innen von der Effizienz der Barangay-Beamt*innen beeinflusst wird.

Die Ambitionen der Barangay-Beamt*innen auf höhere politische Ämter betonte Frau Azaña, haben wenig Einfluss auf die tägliche Gemeindeführung im Barangay. Die Beamt*innen müssen eine Balance zwischen persönlichen und gemeinschaftlichen Interessen aufrechterhalten, wofür detaillierte Dienstpläne und Verfügbarkeit entscheidend sind. Zum Abschluss gab sie zukünftigen Barangay-Beamt*innen mit auf den Weg, dass diese  auf Empathie, Aufmerksamkeit und Toleranz setzen sollten. Die Beweggründe der Beamt*innen sind gemäß ihrer Erfahrung in erster Linie idealistisch und auf die Unterstützung der Gemeinschaft ausgerichtet.

Die Flexibilität der Barangay-Politik

Im Gespräch mit Frau Azaña wurde deutlich, dass die Umsetzung der Vorgaben und Ziele der Barangay-Politik eine äußerst individuelle Gestaltung erfahren kann. Die gesetzlichen Regelungen dienen lediglich als Rahmen, während die Praxis stark von den Begehren und Vorschlägen der Gemeindemitglieder geprägt ist. Frau Azaña betonte, dass jedes Mitglied eines Barangays ein starkes Interesse daran hat, die Gemeinde zu verbessern. Dabei spielt die Einstellung der Bürger*innen und ihre konkreten Vorschläge eine entscheidende Rolle, die oft mehr Gewicht haben als theoretische Vorschriften, die in vielen Fällen unpraktikabel erscheinen.

Priorität und Verständnis

Ein beispielhaftes Szenario, das Frau Azaña ansprach, ist der Bedarf an Kanalverkleidung. Während dies möglicherweise notwendig ist, wurde betont, dass es nicht als dringlich angesehen wird.

Die Notwendigkeit der Auskleidung der Kanäle in Alfonso ergibt sich aus der bodenkundlichen Beschaffenheit. Der Tonboden in der Region, ideal für den Pflanzenanbau, prägt die Landwirtschaft, während auch Gebiete mit undifferenziertem Bergboden vorkommen, die bewaldet sind und in Küstennähe, Bambusvegetation aufweisen können.

In solchen Fällen werden die Forderungen der Gemeinde genau analysiert, und es wird priorisiert, direkte Hilfe zu leisten. Ein weiteres anschauliches Beispiel ist die Bewältigung der Herausforderungen während der Corona-Zeit. Während der Pandemie wurde eine Aktion gestartet, bei der Lebensmittel rationiert und an die Haushalte verteilt wurden.

Diese direkte Unterstützung wurde als vorrangig betrachtet, da viele Menschen Schwierigkeiten hatten, ausreichende Versorgung für ihre Familien sicherzustellen. In solchen Situationen wird die Flexibilität der Barangay-Politik besonders deutlich, da sie in der Lage ist, auf die konkreten Wünsche der Gemeinde einzugehen und praktische Maßnahmen zu ergreifen.

Frau Azaña verdeutlicht somit, dass die Stärke der Barangay-Politik in ihrer Auffassungsgabe liegt, auf die Belange der Gemeindemitglieder einzugehen, wodurch sie zu einem effektiven Instrument für positive Veränderungen auf lokaler Ebene wird. Die Beteiligung am Barangay erfordert einen erheblichen Einsatz und lässt sich nicht allein durch finanzielle Anreize rechtfertigen. Es handelt sich um eine Tätigkeit, die von Leidenschaft getragen wird. Die Ausübung dieser Aufgaben kann lediglich auf Dankbarkeit hoffen, die nicht in materieller Form vergolten wird.

Ein Schlusswort

Zenaida Azaña schildert aufschlussreich die komplexe Welt der Barangay-Gemeindepolitik. Hervorgehoben wird die Bedeutung von Transparenz als Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Die politischen Absichten der gewählten Beamt*innen prägen den gemeinschaftlichen Entscheidungsprozess, während die Hingabe der Amtsträger*innen eine zentrale Rolle in der nachhaltigen Gemeindeplanung spielt. Bürger*innenbeteiligung, tägliche Gemeindeführung und die Flexibilität der Barangay-Politik zeigen sich als ausschlaggebende Elemente für positive Veränderungen auf lokaler Ebene. Azaña betont die Leidenschaft der Beamt*innen und gibt Ratschläge, die auf Eifer, Präsenz und Sensibilität setzen. Insgesamt zeigt das Interview, dass die Stärke der Barangay-Politik in ihrer Fähigkeit liegt, sich an die konkreten Bedürfnisse der Gemeinde anzupassen.


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